Taxi bitte!

Foto: Bjoern Wylezich

Foto: Bjoern Wylezich

Ab und an steige ich in Braunschweig in ein Taxi, besonders wenn ich spätabends am Bahnhof ankomme. Wenn sich die Züge in der Ankunft verspäten (zum Beispiel die meisten der aus Hannover kommenden InterCitys) und die Busse und Straßenbahnen bereits abgefahren sind, bleibt kaum eine Alternative. An den Sonntagabenden wenn die Fahrpläne der Braunschweiger Verkehrsbetriebe arg ausgedünnt sind, setzt mitunter ein regelrechter Run auf die Taxen ein, da deren Anzahl am Bahnhof durch ein städtisches Reglement begrenzt wird.

Dank des Eisenbahnerstreiks in der vergangenen Woche gab es keinerlei Andrang da kaum InterCitys nach Braunschweig kamen, auch der Regionalfahrplan war stark ausgedünnt. Bei den Taxifahrern machte sich das jedoch sogleich im Portemonnaie bemerkbar, denn InterCity-Reisende steigen öfter in eine Taxe als die Fahrgäste von RegionalExpressen.

Mein Verhältnis zu den beiden großen Taxizentralen ist in Braunschweig eher zwiespältig, ich habe gute wie lausige Erfahrungen mit ihnen gemacht. Dreimal habe ich einen Zug nicht bekommen, davon zweimal weil sich die Taxen arg verspäteten und ich, obwohl die lange Anfahrtszeit absehbar war, nicht vorgewarnt wurde. Das dritte Mal fuhr der Wagen der mich abholen sollte eine ganz andere Adresse an, wo man von einer Bestellung nichts wusste.

Der sich nahe meiner Arbeitsstätte befindliche Taxen-Halteplatz wurde kurzerhand und gegen den Willen der Taxenunternehmen aufgelöst. Auch wenn er von Fahrgästen gut angenommen wurde, so befand er sich an einer Stelle, die laut Straßenverkehrsordnung als Fußgängerzone gilt. Das dort die drei bis vier Taxen nicht halten dürfen, kann ich unter Mühen noch verstehen, aber dass die ganzen anderen Fahrzeugen übersehen werden, wundert mich schon. Der neue, in einer Einbahnstraße etwas versteckt liegende Halteplatz wird nicht angenommen, ich kann mich nicht erinnern, dort jemals Taxen gesehen zu haben.

Die wohl unumgängliche Erhöhung der Tarife ab Januar macht sich in meinem Fahrverhalten bemerkbar, denn alleine die Preisdifferenz für die Strecke vom Bahnhof zu mir nach Hause entspricht dem Preis einer Busfahrkarte. Einerseits sind die Fahrer meistens „arme Schweine“, die auf die Einnahmen dringend angewiesen sind, anderseits aber ist der neue Preis so happig, dass ich sparsam werde. Vermutlich wird es vielen anderen Fahrgästen auch so gehen und ich hoffe, dass die Fahrer nun nicht noch weniger einnehmen als zuvor.

Die meisten von ihnen sind richtig nett und witzig, ich kann mich gut mit ihnen unterhalten, manchmal entdecken wir sogar gemeinsame Bekannte. So weiß ich nun deutlich mehr über das benachbarte Gambit, denn ein Fahrer besuchte gemeinsam mit dem Wirt die Schule und blieb in Verbindung.

Eine helle Freude war auch der Chauffeur in der letzten Woche. Schon bei der Nennung des Fahrziels erzählte er, dass im Haus gegenüber seine Mutter wohnt. Ich erwiderte, dass ich das schon wisse, denn er hat mir das schon einmal erzählt, außerdem sehe ich die Dame jeden Tag auf ihrem Balkon. Aber er konnte noch toppen, denn er fragte mich nach einem Namen in meinem Haus. Ja, das ist mein neuer und direkter Nachbar, und nun weiß ich auch das Wichtigste über ihn, schließlich sind er und der Fahrer Freunde. Eventuell hilft mir der Fahrer nun bei einem Problem: Mein Nachbar hat seine Dusche quasi gleich neben meinem Bett, daran werde ich fast jede Nacht erinnert. Er weiß das wohl nicht, weil ich ihn nicht auf seine Duschzeiten ansprechen mag, aber der freundliche Taxifahrer wird demnächst ein Wort für mich einlegen.

Ganz selten sitze ich neben Taxifahrern, die bereits am bahnhofsnahen John-F.-Kennedy-Platz jeden nur möglichen Zweifel an ihrer politischen Gesinnung zerstreut haben. Vor einem Jahr stimmte gar ein Fahrer sein Loblied auf den deutschen Taxifahrer an, der sich an Korrektheit und Höflichkeit nichts vorwerfen lassen müsse. Und schon gar nicht von seinen ausländischen Kollegen. Ich freute mich sehr: Nicht über sein etwas völkisches Liedgut, sondern darüber, dass der korrekte Fahrer sein Entgegenkommen dadurch bewies, dass er über sein Reden völlig vergaß, seinen Taxameter einzuschalten.

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