Mittelgroß, mittelspannend und mittelschön

 

Das hat er nicht gewollt: Herzog Friedrich Wilhelm blickt auf das moderne Braunschweig. Foto: Andreas Maxbauer

Das hat er nicht gewollt: Herzog Friedrich Wilhelm (1771–1815) blickt auf das moderne Braunschweig. Foto: Andreas Maxbauer

Es ist immer wieder interessant, wie Andere uns sehen. Sei es weil sich die Eigenwahrnehmung im Lauf der Zeit ändert oder sei es weil wir das ein oder andere nicht mehr so gut beobachten. Daher freute ich mich über den Anfang Oktober auf Zeit-Online erschienenen Artikel der Studentin Jana Friese, einer Neubraunschweigerin. Meine eigener Blick als ehemaliger Hannoveraner ist bereits etwas unscharf, weil ihn schon zu viele Filter und Vorurteile vernebeln – wer ist schon in der Lage, seine Nachbarstadt objektiv zu sehen? Aber einige Eigenschaften Braunschweigs die Jana Friese wiedergibt, hörte ich ebenfalls als ich nach Hannover zog. Die Wahrnehmung der Bekannten der Autorin lautet zusammengefasst „mittelgroß, mittelspannend und mittelschön“, auch das Adjektiv „langweilig“ teilen sich beide Städte offenbar.

Dieses Statement trifft auf viele mittelgroße Städte zu, zum Beispiel auf die, die Die Zeit in ihrer Serie „Unterschätzte Städte“ beschreibt, Dortmund, Mannheim und Kassel etwa. Nun bedeutet „mittel“ ja, dass es zugleich mindestens zwei extremere Positionen geben muss; in Bezug auf das Stadtbild schildert die Autorin beispielhaft die in gleichem Maße schöne wie teilweise absurd hässliche Architektur Braunschweigs.

Andere von ihr wahrgenommene Dinge scheinen mir durch die mittlere Größe Braunschweigs gegeben zu sein: Das Nachtleben und die Freizeitmöglichkeiten sind vorhanden aber begrenzt, auch ist das studentische Flair trotz der 18.000 Studierenden nicht so deutlich spürbar. Zum Ausgleich werden diese Interessen in dem Artikel etwas detaillierter beschrieben, ein paar gute Tipps scheinen mir auch dabei zu sein. Gut beobachtet ist der deutliche Wandel Braunschweigs zum Frühjahr und Sommer, denn durch die vielen Parks und die Oker erwacht die Stadt zum neuen Leben, das winterlich Graue und das etwas Starre fallen schnell ab.

Ein Artikel also der sich zu Lesen lohnt und den ich in nur einem Punkt nicht so teilen mag. Obwohl sich die Braunschweiger als Norddeutsche sehen, nehme ich sie nicht als so unterkühlt wahr, dass sie ein wenig länger brauchen um jemanden in ihr Herz schließen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s