Braunschweig ist im Bilde

BS Photowalk 01 Seit sieben Jahren findet der Worldwide Photowalk statt, an dem Fotografen überall auf der Erde gemeinsam ihre Städte erkunden. Es wird über mehrere Social-Media-Plattformen organisiert, dieses Jahr waren 1024 Städte mit über 20.000 Fotografen dabei. Ich bin eigentlich kein großer Fan von „Rudelshootings“, hatte aber im letzten Jahr schon eine Menge Freude an einer über Google+ organisierten Fototour in Braunschweig.

In Braunschweig machten sich gestern 45 Fotografen zu ihrem vierten Lauf auf, er begann an der Volkswagenhalle mit den üblichen versteckten Seitenblicken auf die Kameras und Objektive der Anderen. Das ist ein ebenso niedliches Ritual wie der sparsame Blick, mit dem sich Fotografen in der Stadt gleichzeitig zu ignorieren vorgeben und zugleich ihr großes Interessen am Equipment des Anderen verbergen. Hier wurde es erfreulich anders, am Treffpunkt gab es muntere Gespräche in kleinen Gruppen, wobei sich Etliche bisher nur aus FlickR, Facebook und Google+ kannten. Vielleicht liegt es auch an den Social Media, es waren vom Typus her andere Fotografen als die, die ich sie aus den klassischen Fotoclubs kenne: deutlich jünger und wesentlich mehr Frauen.

Die Route führte von der Volkswagenhalle, an der Synagoge vorbei zum Eiermarkt, über den Wochenmarkt bei St. Martini, durch den Handelsweg zum Kohlmarkt, am Dom und dem Ringerbrunnen vorbei zur Bartholomäuskirche. Ich kenne die Gegend durch meinen Arbeitsplatz und die mittägliche Suche nach Nahrung, es schien ein überraschungsfreier Photowalk zu werden. Aber im Gegenteil: Ich habe dank meines gestrigen fotografischen Blicks und vor allem durch die anderen Fotografen ganz viel Neues entdeckt und deutlich mehr Motive gefunden als vermutet. Das begann mit einer Diskokugel und leuchtfarbenem Efeu, die ich auf meinem täglichen Arbeitsweg nie sah oder einem witzigen Vogelhäuschen im Hof der Jakobskemenate nebenan. Weiter ging es mit Strukturen und Spiegelungen am Handelsweg oder bei Karstadt. Es folgten bis dato unbemerkte Eingänge in der Fußgängerzone und merkwürdige Kontraste von altehrwürdigen Bauten mit moderner „Handelsarchitektur“. Und, und, und – alles schon dort gewesen aber nie von mir gesehen, jedenfalls nicht so.

Durch das heitere Miteinander und wegen unseres massenhaften Erscheinens wurden wir oft von neugierigen Passanten angesprochen. Da manche von ihnen glaubten wir kämen aus einer anderen Stadt (warum eigentlich?), gaben sie allerlei Tipps, was wir in Braunschweig noch fotografieren sollten. Ein älterer Passant hielt auf den Altstadtmarkt ein so kenntnisreiches wie ausführliches Spontanreferat über die Geschichte des Marienbrunnens; seine Frau kannte es wohl schon und sagte ihm wo sie ihn nachher wieder einsammeln würde. Überall trafen sich spontan Fotografen, wiesen sich gegenseitig auf Sehenswertes hin und hielten kleine Fachplaudereien.

Der Abschluss war ein Get Together im El Toro, wo dann auch die in Fotografenkreisen obligatorischen Techies ihr Wissen ausbreiten konnten. Zudem wurden Kameras herumgereicht um den Tischnachbarn sogleich die Trophäen zeigen zu können, ein echter Vorteil der Digitalfotografie. Genau das ist das Spannende an den gemeinsamen Photowalks, das anschließende Betrachten der Ausbeute der Anderen, das hier ganz social-media-like über Flickr stattfindet. Es ist immer wieder erstaunlich, was die Fotografen entdeckt haben und wie unterschiedlich sie ihre Stadt sehen. Die Ergebnisse der Braunschweiger Gruppe werden hier gezeigt, die Bilder aus aller Welt sind hier zu sehen. Ich werde mit Sicherheit im kommenden Jahr wieder am Worldwide Photowalk teilnehmen.

Einige meiner Photowalk-Resultate (zum Vergrößern die Bilder anklicken):

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