Braunschweig versucht sich

Immer auf der Suche nach dem Besonderen in Braunschweig.

Immer auf der Suche nach dem Besonderen in Braunschweig.
Foto: Andreas Maxbauer

Braunschweig und ich haben uns im Moment nicht so viel zu sagen: Ich bin derzeit viel auf der Schiene und in Hotels unterwegs, so führen wir beide eher eine Wochenendbeziehung. Aufgrund des allenthalben kostenlosen WLANs stehen wir aber in täglichem Kontakt und so konzipiere ich die nächsten Beiträge über Braunschweig, manchmal vom unendlich knisternden Kaminfeuers der Hotelvideos begleitet.

Beim Recherchieren und Schreiben ist mir Google eine große Hilfe. Dabei kam mir vor Kurzem der Gedanke, dass es ganz interessant zu wissen sein könnte, wonach denn Andere in Kombination mit Braunschweig suchen. Das ist gut und leicht möglich über die Google-Trends, zudem unterhaltsam und informativ. Nun hängt der Wert einer Statistik stark von seiner Interpretation ab, so würde mich die Auslegung darüber interessieren, warum die Suchen nach „Braunschweig“ in den letzten neun Jahren um 37 Prozent zurückgegangen sind.

Über WordPress kann ich darüber hinaus sehen, mit welchen Anfragen Suchende auf diesen Blog hier gelangen. Das ist natürlich vom Inhalt der Postings abhängig, denn auf sie und ihre Verschlagwortung beziehen sich die Google-Treffer. Wer etwas Interessantes findet und deshalb via Google auf diese „Seitenblicke“ gerät, gibt den Treffern mehr Gewicht – wodurch sie noch weiter nach oben geraten, was wiederum zu weiteren Besuchen führt. Insofern sind Statistiken über die Suchergebnisse sehr relativ, aber es geht jetzt mal nicht um Objektivität.

Die meisten Suchanfragen sind überraschungsfrei, andere hingegen erstaunen, manches aber ist ziemlich schräg und lustig. Mit achtzig Anfragen am häufigsten gesucht wird nach Till Eulenspiegels Streich, bei dem er einen Bäckermeister durch die Überproduktion von Eulen und Meerkatzen überraschte. Rund fünfzigmal folgt die Suche nach Wahlplakaten in Braunschweig, sowohl die der Kommunal- als auch der Landtagswahl. Gleichfalls ein besonderes Thema scheint die ebenso sinnfrei wie liebevoll gelebte Rivalität zwischen Hannoveranern und Braunschweigern zu sein, immerhin vierzig Personen kamen deshalb vorbei. Etwas verblüfft war ich von den zahlreichen Suchen nach den schönen Parks in Braunschweig (fünfundzwanzig Besucher), besonders denen nach dem Nussberg. Ebenso groß ist die Nachfrage nach der Wild Geese, einem beliebten Irish Pub, in den ich wohl mal wieder einkehren sollte. Ebenfalls gleichauf liegen die Suchen nach Texten zum neuen alten Eintracht-Logo und die nach den das Stadtbild stark prägenden Kirchen mit jeweils zwanzig Fundstellen. Auch scheint das Interesse an Personalausweisen recht groß zu sein, besonders häufig wird hier nach Personalausweisrückseiten gesucht, deren Charme mir bisher verborgen blieb – immerhin fünfzehn Internetnutzer kamen deshalb vorbei. Ebenso viele interessierten sich für den Hauptbahnhof, wobei auch Andere die mitunter lottoähnlichen Zeitangaben auf der Abfahrtstafel vor dem Bahnhofsgebäude für sich entdeckt haben.

Weitere, zahlenmäßig nicht so relevante Anfragen sind dafür etwas eigenwilliger. Obwohl Grafik Designer, wäre ich kaum auf die Idee gekommen, in Bezug auf Braunschweig nach „Korrekturzeichen“ zu suchen, bei fünf Personen ist das Interesse brennender – einmalig auch in Kombination mit einem „karierten Blatt“. Weitere Suchanfragen beziehen sich mehrfach auf die „Braunschweiger Mentalität“, vielleicht besonders spürbar bei „kuriosen Radfahrern“ und „schönen Weihnachtsmännern“. In der Suche spielt auch Unvollkommenes in der „Verbotenen Stadt“ eine Rolle: „hässlichst Braunschweig“ und „schlimme Spielplätze“ lassen jedenfalls darauf schließen. Die schon erwähnte Konkurrenz findet mit einem sehr unschönen „Hannover verrecke“ seinen Niederschlag, wobei sich mir die Suche nach einem „Dönerladen zu verkaufen in Hannover“ in Bezug auf Braunschweig einfach nicht erschließen mag. Eventuell könnte die Person, die in Braunschweig verzweifelt nach ihrem „Nacht Döner“ schaute, mehr Auskunft geben? Vielleicht hat sie aber auch schon mit „Mr. Phung volle Karte“ genügend Nahrhaftes gefunden.

Gänzlich in diesen Blog verirrt haben sich wohl die Sucher nach den „kleinen Handwerksbetrieben in Afrika“, dem „Tiertransport Naher Osten“ und dem „Hunde Merchandising“, was immer das auch sein mag. Die Frage „Was ist ein Verlaufsdiagramm?“ kann ich hingegen mühelos beantworten, dennoch bleibt mir schleierhaft, wie die „Braunschweiger Seitenblicke“ weiterhelfen könnten. Die große Vielfalt an Suchanfragen ist trotz ihres hohen Unterhaltungswerts schon sehr irritierend. Achtung, jetzt kommt mein Lieblingsirrläufer: „Freie Liebe Braunschweig“ – großartig! Bei der Recherche musste ich allerdings feststellen, dass die örtliche Waldorfschule hier mehr Google-Treffer hat als dieser Blog. Was die da wohl lehren? Eine Ahnung davon muss wohl Derjenige gehabt haben, der als Sequenz den orthografisch etwas schwankenden Appell „Immer schon mas halten“ in den Suchstreifen eingab. Ich habe keinen Schimmer inwiefern das auf diesen Blog führt, aber dennoch – klar, wird gemacht!

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