Posttraumatische Zeit

Posttraumatische Zeit

Posttraumatische Filiale der Deutschen Bank. Foto: Andreas Maxbauer

Vorgestern war ich in dem (nur von außen) schönen Postamt an der Friedrich-Wilhelm-Straße, weil die von mir abonnierte Die Zeit seit fünf Wochen gar nicht oder erst Tage später ankommt.

Der Mitarbeiter hinter dem Postschalter war sehr hilfsbereit: „Ich gebe Ihnen da mal eine Servicenummer der Post mit“. Dabei wies er mit ausholender Geste in den Raum: „Wir haben mit der Post ja nichts zu tun, denn wir sind hier Postbank, also Deutsche Bank. Postfilialen finden Sie kaum noch“. Der Mann war vermutlich das erste Mal in seinem langen Berufsleben froh, kein Postler sondern Bänker zu sein.

Und in der Tat, nirgendwo mehr war – außer ganz winzig klein auf der Uhr – auch nur ein einziges Post-Logo im Schalterraum zu sehen, stattdessen jedoch groß und überall der Postbank-Schriftzug.

Wow! Ich bringe meine Päckchen also zur Deutschen Bank! Und ich kann dort sogar Briefmarken, Restaurantgutscheine und USB-Leselampen kaufen – das bietet meine Sparkasse aber nicht!

Ein wenig gestrig wie ich in solchen Dingen bin, dachte ich bisher immer, dass die Post vor allem ein Trödel- und Schreibwarengeschäft wäre. Wobei das Trödeln vor allem an den langen Warteschlangen sichtbar wird.

Bei der Servicehotline der Post meldete sich eine mit ihrem Computer hadernde Frau vom ,Team Empfänger‘ um meinen Fall aufzunehmen und an das ,Team Pressedistribution‘ weiterzusenden. Irritiert hat mich ihre Frage, deren Logik sich mir einfach nicht erschließt: „War Ihre fehlende Zeitung komplett?“.

Egal, mein Auskunftsbegehren hat wohl genutzt, denn Die Zeit war dieses Mal pünktlich, trocken und wohlbehalten im Kasten. Mich freut’s.

Erster Nachtrag, zwei Wochen später: Die Post sorgt dafür, dass nun nichts mehr verloren geht – ich darf meine großformatigen Sendungen jetzt selbst in der benachbarten Filialie abholen. Ihre Öffnungszeiten sind Montag bis Samstag von 8.00 bis 12.00 Uhr, zusätzlich Montag und Mittwoch von 15.00 bis 18.00 Uhr. Das mag bei Menschen mit viel Tagesfreizeit funktionieren, jedoch kaum bei Angestellten.

Zweiter Nachtrag, drei Wochen später: Die Post teilt mir schriftllich ihr Bedauern mit und empfiehlt mir, einen größeren Briefkasten anzubringen, was ich nun machen werde. Das erklärt zwar immer noch nicht, warum es die Zeitungen bisher nicht ins Haus geschafft haben, aber nun ja. Ein Schicksal, dass diejenigen teilen, die im Zustellbezirk 13(!) wohnen.

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