Verbotene Städte

Eisige Grüße in die Verbotene Stadt.
Foto: Andreas Maxbauer

Freitag wurde ich als „Nahost-Korrespondent“ befragt, gestern wurde es auf einer feinen Geburtstagsfeier angesprochen und gerade erhielt ich Grüße in die Verbotene Stadt. Auch sonst ist es ein von Dritten eingebrachtes und beliebtes Thema: „Braunschweig-und-Hannover-mögen-sich-nicht“, auch „Hannover-und-Braunschweig-mögen-sich-nicht“ genannt.

Ein entsprechendes Gespräch wird bei Einheimischen beider Städte immer eingeleitet mit einem etwas distanziertem Blick, gefolgt von Redewendungen à la:

  • „Da gibt es ja eine gewisse Rivalität.“
  • „Da wohnst Du?“
  • „Du pendelst aber doch, ja?“
  • „Also Eintracht-oder-Hannover-96 ist ja …“
  • „Nur ein toter Braunschweiger-oder-Hannoveraner ist ein guter Braunschweiger-oder-Hannoveraner.“

Das Putzige ist dass alle von der Rivalität wissen – aber keiner kann sagen wie sie entstanden ist, außer dass es historisch bedingt ist: „Irgendwas mit Herzogtum und Königreich“. Historisch ist immer gut, das kann man jederzeit wiederbeleben, ersatzweise hilft das vage Auflebenlassen von Ungerechtigkeiten und Schmach, und sei es als bloßes On-Dit. Das machen die Kölner und Düsseldorfer, Badenser und Schwaben, Serben und Kroaten, Sunniten und Schiiten genauso.

Das ist insofern kurios weil die Menschen in meinen Umfeld gebildet, modern und auch sonst aufgeklärt sind. Es stellt sich die Frage nach dem Warum? Um welchen Wert oder welche Werte geht es eigentlich dabei? Brauchen wir solche Rivalitäten als Vehikel zur eigenen Standortbestimmung? Ein Indiz dafür könnte sein, dass dieses halbernste Spielchen den meisten Zugereisten völlig schnurz ist, mir als altem Dialektiker sowieso.

Andererseits ist es ein sicheres Thema um einen dünnen Gesprächsfaden weiterzuspinnen, ähnlich dem Erwähnen von Ikonen gemeinsamen Erlebens z.B. Helmut Kohl oder Ilja Richter oder Dallas oder den Waltons. Na dann: „Gute Nacht, Johnboy“ – „Gute Nacht, Elizabeth“ – „Gute Nacht, Jimbob“.

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2 Antworten zu “Verbotene Städte

  1. Wusstest Du eigentich, dass der Bezirksbürgermeister Deines ehemaligen Heimatstadtteils in der niedersächsichen Hauptstadt ein Braunschweiger ist? Er tut immer so, als wäre das völlig normal. Grüße von Deiner in Hannover geborenen Freundin 😉

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  2. Das IST normal, liebe Tini!
    Schau: Wäre der Mann mit Hut mit seinem Drang zur Öffentlichkeit und zum Individualismus in Braunschweig glücklich geworden? Nein! Niemals!
    Er denkt, dass Hannover mit ihm einen guten Fang gemacht hat.

    Das Du wieder an deine Wiege nach Hannover zurückgegangen ist sehr erfreulich – aber hoffentlich leitet sich daraus kein Gesetz ab. Ich will nämlich nicht zurück nach Bremerhaven! Nein! Niemals!
    Ich denke nicht, dass Braunschweig mit mir einen Fang gemacht hat.

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