Eulen und Meerkatzen

Meine Behauptung vom 2. September, dass es in Braunschweig einen Mangel an grobem Unfug gäbe, nehme ich zurück. Denn ich wurde zum Ende des Kommunalwahlkampfs eines Besseren belehrt: Die CDU schaltete eine große Anzeige in der sie wortreich betonte, dass die Politik der Bundesregierung nicht auf die Kommunalwahlen durchschlagen dürfe, bitt’schön. Was muss der CDU die Muffe sausen, dass sie sich solch eine Blöße gibt, dass sie solch einen Unfug macht?

Nach der – für die CDU desaströsen – Wahl ließ der CDU-Oberbürgermeister Gert Hoffmann sogleich verlauten, dass er es schon vorher gewusst habe. Die Bundesregierung wäre schuld, auch das Wahlgesetz hat Schuld, weil es ihm verbiete die Wahllokomotive zu sein und überhaupt – er sei sehr beliebt und anerkannt. Als unverfroren empfinde ich zudem, dass die gleiche larmoyante Suada vorne auf der Homepage der Stadt Braunschweig steht – wo sich Stadtverwaltungen doch per Gesetz parteineutral zu verhalten haben. Immerhin verspricht der Oberbürgermeister mit allen vernünftigen Parteien zu kooperieren. Wie gnädig er doch gegenüber seinem Souverän, also dem Wähler ist!

Hier kommt nun Till Eulenspiegel ins Spiel, ein – wenn auch literarischer so doch großer – Sohn dieser Stadt. Es waren genau diese selbstherrlichen und mit etwas reduzierter Selbstwahrnehmung ausgestatteten Großbürger, die ihm auf dem Leim gingen. Till Eulenspiegel ist hier allerorten zu finden, z.B. mit einem Brunnen am Bäckerklint oder den Meerkatzen und Eulen, die einige Bäckereien verkaufen. Der Sage nach gab sein Bäckermeister auf die Frage Till Eulenspiegels, was er backen solle die Antwort „Na, Meerkatzen und Eulen!“. Eulenspiegel nahm es wie immer sehr wörtlich, und buk eben Unmengen an Meerkatzen und Eulen. Der ebenso altehrwürdige wie cholerische Meister wollte die Überproduktion nicht abnehmen, woraufhin ihm Till den Teig bezahlte und seine Kreationen selbst, sofort und mit großem Gewinn veräußerte. Wie schön, wenn Kreativität und Initiative der Selbstüberhöhung ein einträgliches Schnippchen schlagen!

Zurück zum Braunschweiger Rathaus, denn auf den Türgriffen des Haupteingangs sind Till Eulenspiegel und seine Backwaren im Wortsinne greifbar. Vielleicht sollte der ein oder andere Stadtvater beim Betreten des Rathauses einen Blick darauf werfen? Ein Vorschlag: Dieses Jahr gab die Post eine Eulenspiegel-Briefmarke heraus. Sollte man nicht aus alter Verbundenheit heraus seine Postsendungen an die Stadt damit frankieren?

Morgen kaufe ich mal einen Satz dieser Briefmarken. Und die Meerkatze und die Eule esse ich gleich heute, mit großem Appetit.

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